Geschichte

1294 wird die Marienkirche erstmals erwähnt. Wann der erste Bau begonnen wurde, kann nicht geklärt werden. Es ist anzunehmen, dass die Markgrafen, als sie Berlin und Cölln um 1230 das Stadtrecht verliehen und die Neustadt mit dem Neuen Markt (um die Marienkirche) anlegen ließen, auch eine Kirche errichteten. Ob das Feldsteinmauerwerk an der Nordwand des heutigen Kirchengebäudes von diesem Bau stammen, ist nicht nachweisbar. Vermutlich um 1279/80 wurde jedenfalls eine gotische Hallenkirche begonnen. Altarstiftungen lassen vermuten, dass die Marienkirche im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Die Stadtbrände von 1376 und 1380 fügten dem bestehenden Bau Schäden zu, die - urkundlich belegt - in den folgenden Jahrzehnten beseitigt wurden. Bei der Wiederherstellung hat man die Gelegenheit wahrgenommen, die Kirche den Formen der Hochgotik entsprechend zu modernisieren. Dazu gehören wohl auch der Ostgiebel des Langhauses mit den Lanzettblenden und die Sterngewölbe im Inneren. Den 1661 durch Blitzschlag zerstörten Turmhelm erneuerte Michel Matthias Smids in Form eines durch Pilaster gegliederten hölzernen Aufbaus mit einer achtseitigen Laterne. Diesen Aufbau schließlich ersetzte Langhans in sogenannten gotischen Formen. Der Typus des Turmaufbaues weist zurück auf Bauformen, die Andreas Schlüter erdachte, und auf niederländische Kirchtürme: Mehrere Geschosse verjüngen den Turmaufbau durch Rücksprünge. Ein barockes Beispiel dafür ist der von Johann Friedrich Grael Turm der Sophienkirche in der Großen Hamburger Straße.

In den Jahren 1817/18, 1893-95 und 1969/70 wurde die Marienkirche restauriert. Die Renovierung war zur Erhaltung der Kirche wirklich notwendig. Die Regotisierung unter Hermann Blankenstein in den neunziger Jahren veränderte die Kirche innen und außen. Unter anderem erhielt sie neogotische Fialen. Im Zuge der letzten Restaurierung erhielt das spätgotische Westportal die getriebenen Bronzetüren von Achim Kühn. Seit 1726 befindet sich an der Westseite der Marienkirche das Sühnekreuz, ursprünglich größer und hölzern, erinnert es an die Ermordung des Propstes Nikolaus von Bernau durch Berliner Bürger 1324. Bis 1726 befand sich ein Sühnekreuz vor der Marienkirche auf dem Neuen Markt. Bis 1925 zeigte sich die Marienkirche inmitten einer dichten Umbauung, wie sie im Mittelalter typisch für die Stadtkirchen gewesen war. Diese Häuser mussten dem Ausbau der Papenstraße zur Kaiser-Wilhelm-Straße (Karl-Liebknecht-Straße) weichen. Die frühere Situation zeigt ein Gemälde von Johann Heinrich Hintze von 1832. Im Jahre 1893. war das Lutherdenkmal von Otto und Toberentz mit der dreieinhalb Meter hohen Standfigur des Reformators errichtet worden. Die Begleitfiguren am Sockel, Melanchthon, Bugenhagen, Spalatin und Cruziger, Reuchlin und Justus Jonas, Franz von Sickingen und Ulrich von Hutten, sind nicht mehr vorhanden.